Hexenkessel (1973)

HKEin intimes Duett vom jungen Harvey Keitel mit einem noch jüngeren Robert de Niro, gefilmt vom ebenfalls jungen Martin Scorsese. „Hexenkessel“ ist ein sperriger Film, manchmal, so scheint es, fehlt im der Drive. Doch am Ende erkannt man, wofür Scorsese minutenlange Barszenen mit scheinbar belanglosen Dialogen eingebaut hat, warum er die Figuren, allesamt italienische Ganoven, immer wieder hat herumalbern, sich sinnlos hat raufen lassen: Es ging ihm darum, den Bruch aufzuzeigen zwischen ihren eigentlichen Sehnsüchten und der engen Wirklichkeit, aus der sie nicht herauskönnen. Keitel, im Körper eines Turners und mit den Augen eines Büßers, spielt einen großherzigen Nachwuchsgangster, der sich positionieren muss: Sein mächtiger Onkel will ihn in ehrenwerter Gesellschaft sehen, doch Charlie – so der Name der Figur – zieht es eigentlich zur epileptischen und darum als schwachsinnig geltenden Teresa. Auch mit deren Cousin Johnny Boy, verkörpert von de Niro, verbindet Charlie eine so enge wie fatale Beziehung. Johnny ist im ganzen Viertel verschuldet und nur durch Charlies Einsatz kann er seinen Kopf immer wieder im letzten Moment aus der Schlinge ziehen. Doch die Lage spitzt sich zu.

Keitel und de Niro spielen herausragend, vor allem Keitel. In seinem Gesicht spiegelt sich den ganzen Film über die traurige Einsicht wieder, dass er dazu verdammt ist, sich schuldig zu machen. Vor dieser Wahrheit will er flüchten, in schicke Anzüge, in den Alkohol, in die Arme von Frauen, doch er hat die Aussichtslosigkeit dieser Versuche eigentlich schon akzeptiert. Dem gegenüber steht Johnny Boy, der charismatische Selbstzerstörer. Johnny Boy hat es aufgegeben, zu hoffen. Er tilgt die Schulden beim einen mit neuen Schulden beim anderen und nutzt die Zeit, die ihm dieses Spielchen noch lässt, um sich mit seinen bescheidenen Mitteln zu amüsieren. De Niro spielt hier, was für ihn ungewöhnlich ist, den Narren, und auch das gelingt ihm fantastisch. Obwohl in der Jugend der Macher entstanden, ist „Hexenkessel“ gerade kein Gangsterfilm für allzu junge Zuschauer, denn er feiert keine exzentrischen Rituale und coole Gesten, erschafft keine kultige Halbwelt, sondern zeigt zerrissene Figuren, die mit ihrem konventionellen Leben hadern.

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