2 – Das Stufenmodell der Psyche

Die Untersuchung, ob dem Menschen eine Sonderstellung unter allen anderen Lebewesen zukommt, macht es notwendig, die Kategorie „Lebewesen“ genauer zu definieren. Scheler identifiziert das Lebendige mit dem Psychischen. Das heißt: Alles, was lebendig ist, hat eine Psyche, und alles, was eine Psyche hat, ist lebendig. Dieser weite Begriff von Psyche im Sinne eines „Urphänomen des Lebens“[1] bedeutet, dass Lebewesen nicht nur objektiv als solche zu identifizieren sind, indem sich etwa erkennen lässt, dass sie zu Selbstbewegung in der Lage sind oder eine Einheit in Raum und Zeit darstellen, sondern dass Lebewesen auch immer ein „Fürsich- und Innesein[2] besitzen, wie Scheler es nennt. Die Psyche selbst setzt sich nach Scheler aus verschiedenen Kräften zusammen, die stufenartig aufeinander aufbauen, was zur Folge hat, dass auch die verschiedenen Lebensformen nach dieser Hierarchie gegliedert werden können. Solch ein weiter Begriff von Psyche als der alles Lebendige durchsetzende „Lebensatem“ findet sich übrigens schon in der Antike.


[1] S. 12.

[2] Ebd.

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